Michelin und seine geheimen Submarken
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Michelin und seine Submarken: Diese Reifenmarken gehören wirklich zusammen
Michelin ist eine der bekanntesten Premium-Reifenmarken der Welt. Weniger bekannt ist: Hinter Michelin steht ein großes internationales Marken- und Produktionsnetzwerk. Dazu zählen unter anderem BFGoodrich, Kleber, Riken, Kormoran, Tigar und Taurus sowie weitere regional vertriebene Marken. Für Autofahrer kann das spannend sein, denn einige dieser Reifen sind deutlich günstiger als vergleichbare Michelin-Premiumreifen.
Aber Vorsicht: Gleicher Konzern bedeutet nicht gleicher Reifen. Und bei Uniroyal wird es besonders interessant: In Europa gehört die Marke zum Continental-Umfeld, während sie in Nordamerika von Michelin geführt wird.
Michelin
Die Premium-Kernmarke des Konzerns mit Fokus auf hohe Gesamtperformance, Laufleistung und technologische Entwicklung.
Weitere Marken
Michelin bedient über weitere Marken unterschiedliche Preis-, Fahrzeug- und Einsatzbereiche.
Sparpotenzial
Je nach Modell können Alternativen aus dem Konzernumfeld spürbar günstiger sein als ein Michelin-Premiumreifen.
Entscheidend
Nicht die Konzernzugehörigkeit allein zählt, sondern immer das konkrete Reifenmodell.
Die Grundwahrheit: Michelin ist viel mehr als nur Michelin
Michelin verfolgt wie andere große Reifenhersteller eine Mehrmarkenstrategie. Neben der Premium-Kernmarke Michelin gibt es weitere Marken für andere Zielgruppen, Preisbereiche und Einsatzgebiete.
BFGoodrich gehört beispielsweise seit der Übernahme des BFGoodrich-Reifengeschäfts 1990 zu Michelin. Bei Kleber wurde Michelin bereits Anfang der 1980er-Jahre Mehrheitsaktionär; heute bezeichnet Kleber sich selbst offiziell als Handelsmarke der Michelin-Gruppe.
Daneben existieren günstigere und teilweise regional ausgerichtete Marken wie Riken, Kormoran, Tigar und Taurus. Über die Michelin-Tochter beziehungsweise Produktionsgesellschaft Tigar Tyres in Pirot bestehen außerdem Verbindungen zu Marken wie Orium, Strial und Sebring.
Übersicht: Welche Reifenmarken mit Michelin verbunden sind
| Marke | Michelin-Verbindung | Typische Positionierung | Wichtig zu wissen |
|---|---|---|---|
| Michelin | Kernmarke | Premium | Technologische Kernmarke des Michelin-Konzerns mit starkem Fokus auf Premiumprodukte, Laufleistung, Erstausrüstung und Gesamtperformance. |
| BFGoodrich | Michelin-Marke seit 1990 | Offroad, SUV, Performance | Sehr eigenständige Traditionsmarke. Besonders stark bei Geländereifen und im Motorsport. Keine klassische Billig- oder Zweitmarke. |
| Kleber | Marke der Michelin-Gruppe | Preis-Leistung / Mittelklasse | Michelin wurde 1981 Mehrheitsaktionär. Heute bezeichnet Kleber sich offiziell als Handelsmarke der Michelin-Gruppe und wirbt selbst mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. |
| Uniroyal | Regional unterschiedlich | Mittelklasse / Nässe-Spezialist | Europa: Continental. Nordamerika: Michelin. Deshalb darf Uniroyal in Deutschland nicht einfach als Michelin-Submarke bezeichnet werden. |
| Riken | Michelin-Umfeld | Budget | Die offizielle Riken-Webseite wird von einer Michelin-Gesellschaft betrieben. Riken wird außerdem als Markenname von Tigar Tyres in Pirot geführt. |
| Kormoran | Michelin-/Tigar-Tyres-Umfeld | Budget | Wird in offiziellen Herstellerdaten als Marke im Umfeld von Tigar Tyres geführt. Klar preisorientiert positioniert. |
| Tigar | Michelin-Gruppe / Tigar Tyres | Budget | Tigar Tyres in Pirot, Serbien, ist eng in den Michelin-Konzern eingebunden. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im günstigeren Reifenportfolio. |
| Taurus | Michelin-Umfeld | Budget / Nutz- und Agrarbereich | Die deutsche Taurus-Webseite wird direkt von Michelin Reifenwerke betrieben. Je nach Land unterscheidet sich das angebotene Sortiment deutlich. |
| Orium | Tigar-Tyres-/Michelin-Umfeld | Budget / regional | Regional vertriebene Marke, die in offiziellen Herstellerdaten gemeinsam mit weiteren Tigar-Tyres-Marken geführt wird. |
| Strial | Tigar-Tyres-/Michelin-Umfeld | Budget / regional | Vor allem in ausgewählten europäischen Märkten zu finden und Teil des erweiterten Marken- und Produktionsumfelds. |
| Sebring | Tigar-Tyres-/Michelin-Umfeld | Budget / regional | Ebenfalls in offiziellen Herstellerdaten von Tigar Tyres als Markenname geführt. Die Verfügbarkeit unterscheidet sich stark nach Land. |
Uniroyal: Michelin in Amerika – Continental in Europa
Bei kaum einer Reifenmarke entstehen so viele falsche Aussagen wie bei Uniroyal. Der Grund ist die internationale Geschichte der Marke.
Michelin übernahm 1990 die Uniroyal-Goodrich Tire Company in Nordamerika. Deshalb führt Michelin Uniroyal auch heute in den USA und Kanada offiziell neben Michelin und BFGoodrich als eigene Marke.
In Europa sieht es anders aus. Hier wird Uniroyal von Continental geführt. Auf der offiziellen europäischen Uniroyal-Webseite wird die Marke ausdrücklich als „A brand of Continental“ bezeichnet und darauf hingewiesen, dass sie in Europa unter exklusiver Lizenz geführt wird.
Für Deutschland gilt deshalb:
Uniroyal sollte nicht als Michelin-Submarke beworben werden. Im europäischen Markt gehört die Marke zum Continental-Umfeld.
Bedeutet Michelin-Gruppe automatisch gleiche Michelin-Technik?
Nein. Das ist einer der wichtigsten Punkte bei diesem Thema. Ein Kleber, BFGoodrich, Riken oder Kormoran ist nicht automatisch ein Michelin-Reifen, bei dem lediglich der Markenname auf der Seitenwand verändert wurde.
Innerhalb eines großen Konzerns können Entwicklungswissen, Produktionskompetenz, Einkaufsstrukturen, Qualitätsprozesse oder einzelne Technologien gemeinsam genutzt werden. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass zwei Reifen dieselbe Gummimischung, dieselbe Karkasse, dasselbe Profil oder dieselben Fahreigenschaften besitzen.
Gleicher Konzern bedeutet nicht gleicher Reifen.
Aber hinter der Marke steht ein großer und erfahrener Reifenhersteller.
Deshalb sollte man Aussagen wie „Kleber ist einfach ein günstiger Michelin“ oder „Riken ist Michelin mit anderem Logo“ vermeiden. Die Verbindung zum Konzern ist real – eine technische Gleichheit der Produkte lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Welche Michelin-Marke passt zu welchem Fahrertyp?
| Fahrertyp | Interessante Marken | Warum? |
|---|---|---|
| Premiumfahrzeug & Vielfahrer | Michelin | Interessant, wenn hohe Laufleistung, ausgewogene Gesamtperformance und große Reserven im Vordergrund stehen. |
| SUV, Offroad & Pick-up | BFGoodrich | Sehr eigenständige Marke mit jahrzehntelanger Offroad- und Motorsport-Tradition. |
| Preisbewusste Alltagsfahrer | Kleber | Für viele Fahrzeuge eine interessante Alternative unterhalb des Michelin-Premiumpreises. Das konkrete Modell sollte trotzdem geprüft werden. |
| Sehr preisbewusste Käufer | Riken, Kormoran, Tigar | Deutlich preisorientierter. Hier sollte besonders genau auf unabhängige Tests des jeweiligen Modells geachtet werden. |
| Regionale Budget-Angebote | Orium, Strial, Sebring | Regional verfügbare Marken aus dem erweiterten Tigar-Tyres-/Michelin-Umfeld. |
| Landwirtschaft & Nutzfahrzeuge | Taurus, Kleber, Michelin | Michelin ist über mehrere Marken auch im Landwirtschafts- und Nutzfahrzeugsegment vertreten. |
Kann man mit den Michelin-Submarken wirklich Geld sparen?
Ja – und unabhängige Reifentests zeigen, dass die Preisunterschiede teilweise erheblich sein können.
Ein gutes Beispiel liefert der große ADAC-Sommerreifentest 2023 in der Dimension 205/55 R16. Dort wurde der Michelin Primacy 4+ mit einem damaligen Durchschnittspreis von rund 120 Euro geführt. Der Kleber Dynaxer HP4 lag bei rund 88 Euro.
Das entsprach damals einem Unterschied von rund 32 Euro pro Reifen beziehungsweise 128 Euro bei vier Reifen. Gleichzeitig war der Michelin im Test insgesamt besser. Der Kleber überzeugte unter anderem bei Laufleistung, Abrieb und Effizienz, zeigte aber Schwächen bei der Fahrsicherheit.
Genau das zeigt, worum es bei einer guten Kaufentscheidung geht: Der günstigere Reifen muss nicht genauso gut sein wie das Premiumprodukt. Für einen Fahrer, dessen Anforderungen zum jeweiligen Reifen passen, kann er trotzdem das sinnvollere Preis-Leistungs-Angebot sein.
Auch 2026 sieht man den Preisunterschied
Im aktuellen ADAC-Sommerreifentest 2026 in 225/50 R17 wurde der Michelin Primacy 5 mit 165 Euro Durchschnittspreis angegeben. Der zum gleichen Konzern gehörende BFGoodrich Advantage lag bei 148 Euro.
Gleichzeitig erreichte der Michelin die Gesamtnote 2,8 und der BFGoodrich die Note 3,0. Der Michelin überzeugte besonders bei Laufleistung und Umweltbilanz; der BFGoodrich zeigte unter anderem Schwächen auf nasser Fahrbahn.
Auch hier gilt deshalb: Weniger bezahlen kann sinnvoll sein – aber der niedrigere Preis kommt nicht automatisch ohne Kompromisse.
Vorsicht: Michelin im Hintergrund ist keine Qualitätsgarantie
Genau hier sollte man beim Marketing seriös bleiben. Ein günstiger Reifen wird nicht automatisch zu einem Premiumreifen, nur weil Michelin beziehungsweise eine Michelin-Gesellschaft im Hintergrund steht.
Der ADAC testete 2023 beispielsweise den Riken Road Performance in 205/55 R16. Der Reifen kostete damals nur rund 76 Euro, erhielt aufgrund erheblicher Schwächen – insbesondere auf nasser Fahrbahn – jedoch lediglich die Gesamtnote 5,4.
Deshalb gilt: Erst das konkrete Modell und unabhängige Tests prüfen – danach entscheiden, ob das Sparpotenzial den eigenen Anforderungen entspricht.
Was hat es mit dem Michelin-Werk in Pirot auf sich?
Bei günstigen Michelin-Marken fällt immer wieder der Name Pirot. Dort sitzt die serbische Gesellschaft Tigar Tyres d.o.o., die eng mit Michelin verbunden ist.
Michelin bezeichnete Tigar Tyres bereits in eigenen Unternehmensveröffentlichungen als Tochtergesellschaft. Auch aktuelle offizielle Herstellerdaten führen am Standort Pirot neben Tigar unter anderem die Markennamen Riken, Kormoran, Orium, Strial, Taurus und Sebring.
Wichtig: Daraus darf man nicht schließen, dass jeder weltweit angebotene Reifen dieser Marken automatisch in Pirot hergestellt wird. Produktionsorte können je nach Modell, Dimension, Markt und Produktionszeitpunkt unterschiedlich sein.
Warum große Hersteller überhaupt günstigere Marken anbieten
Aus Sicht eines großen Reifenherstellers ist eine Mehrmarkenstrategie logisch. Nicht jeder Autofahrer möchte oder muss für einen Premiumreifen bezahlen.
Über verschiedene Marken kann Michelin unterschiedliche Kundengruppen bedienen: vom Premiumkunden über den preisbewussten Familienautofahrer bis zum Käufer, bei dem hauptsächlich der Anschaffungspreis zählt.
Für Verbraucher ist genau das interessant. Man kann innerhalb des Umfelds eines etablierten Reifenherstellers unterschiedliche Preisstufen vergleichen, statt automatisch nur die teuerste Marke auszuwählen.
Checkliste: So nutzt du Michelin-Submarken clever
Für viele Autofahrer kann die günstigere Alternative der bessere Deal sein
Ein Premiumreifen bietet häufig höhere Reserven oder eine ausgewogenere Gesamtleistung. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder Autofahrer diese zusätzlichen Reserven im Alltag tatsächlich benötigt.
Wer mit einem normalen Kleinwagen, Kompaktwagen oder Familienfahrzeug hauptsächlich zur Arbeit, zum Einkaufen, über Landstraßen und mit normalen Geschwindigkeiten über die Autobahn fährt, kann mit einem gut getesteten Reifen aus einer günstigeren Preisklasse einen sehr guten Kauf machen.
Bei leistungsstarken Fahrzeugen, regelmäßig sehr hohen Geschwindigkeiten, sportlicher Fahrweise oder besonders hohen Anforderungen an die Nassperformance können die zusätzlichen Reserven eines Premiumreifens dagegen deutlich wichtiger sein.
Unsere klare Empfehlung
Wer Michelin grundsätzlich interessant findet, aber nicht automatisch den Premiumpreis bezahlen möchte, sollte sich auch die weiteren Marken aus dem Michelin-Umfeld ansehen.
Besonders Kleber kann für viele normale Alltagsfahrzeuge eine interessante Preis-Leistungs-Alternative sein. BFGoodrich besitzt insbesondere bei SUV und Offroad eine starke eigenständige Positionierung.
Bei sehr günstigen Marken wie Riken, Kormoran oder Tigar sollte die Michelin-Verbindung dagegen niemals das einzige Kaufargument sein. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf das konkrete Modell besonders.
Auf Superreifen.de kannst du Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen verschiedener Hersteller und Preisklassen direkt miteinander vergleichen.
Fazit
Michelin ist deutlich mehr als nur die Premium-Marke Michelin. Hinter dem Konzern beziehungsweise seinem internationalen Produktions- und Markennetzwerk stehen bekannte Namen wie BFGoodrich und Kleber sowie preisorientierte Marken wie Riken, Kormoran, Tigar und Taurus.
Genau hier kann für Autofahrer echtes Sparpotenzial liegen. Ein gut getesteter Reifen einer günstigeren Konzernmarke kann für das eigene Fahrprofil vollkommen ausreichen und gegenüber einem Premiumreifen deutlich günstiger sein.
Trotzdem gilt: Michelin im Hintergrund macht aus einem Budgetreifen keinen Michelin-Premiumreifen. Modell, Testergebnisse und Einsatzzweck sind wichtiger als der Konzernname allein.
Wer genau vergleicht, muss deshalb nicht automatisch zum teuersten Reifen greifen. Gerade für viele normale Alltagsfahrer kann eine gute und günstigere Konzernmarke die cleverere Preis-Leistungs-Entscheidung sein.
Quellenbasis und redaktioneller Hinweis
Für diesen Beitrag wurden unter anderem aktuelle beziehungsweise offizielle Informationen der Michelin-Gruppe, der Marken Kleber, BFGoodrich, Riken, Taurus und Uniroyal, von Continental, der US-amerikanischen NHTSA sowie unabhängige Reifentests des ADAC ausgewertet.
Markenrechte, Vertriebsstrukturen, Produktionsstandorte und Produktverfügbarkeit können sich je nach Land, Reifenmodell und Zeitpunkt unterscheiden. Die Zugehörigkeit zu einem Konzern bedeutet nicht, dass Reifen verschiedener Marken technisch identisch sind. Preisangaben aus Reifentests beziehen sich auf den jeweiligen Testzeitpunkt und können von heutigen Marktpreisen abweichen.